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Härene Höschen

Schon Johannes der Täufer trug härene Hemden. Vermutlich hatte er keine Anderen. Ich sehe die Maiden der Hirtenstämme, wie sie ihm aus kratzigen Tierhaaren ein Gewand weben. Später muß Johannes seinen Jüngern dieses unerfreuliche Kleidungstück wohl als Mittel zur Kasteiung des Körpers verkauft haben, nach dem Motto: Muß ich dieses gemeine Biest schon anziehen, wollen wir wenigstens das Optimum an Werbewirkung herausholen.

Das ‚Härene Hemd’ muß auch damals eine fast unerträgliche Zumutung gewesen sein: Bei jeder Bewegung bohrten sich nadelfeine, widerhakige Haare ins Fleisch und erzeugten dort diese Art von süsslich  juckender, stechenden Irritation, die zu ansteigender Gereiztheit und dann zwangsläufig zur plötzlich ausbrechender Gewaltätigkeit führt. Es ist Johannes daher

hoch an zu rechnen, dass er so sanftmütig blieb.

Wikipedia beruhigt uns,  dass härende Kleidung – selbst bei Mönchen – heute nicht mehr getragen würde. Die Ahnungslosen!

Kennt Wikipedia die härenen Höschen nicht, die wir Frauen jeden Tag dicht am

Körper tragen?

Die härene Folter gibt es aktuell in vielerlei Formen – betroffen ist sowohl das klassische Damenhöschen (Pagenform) aus Baumwolle mit dem kecken Spitzeneinsatz,  wie auch das kanarienbunten Nichts aus Polyester mit der offenen Mitte – und natürlich viele anderen Varianten weiblicher Unterbekleidung.

Die Folter, den diese Unterhöschen hervorrufen, äußert sich so:

Kaum verläst man die Wohnung im Glauben, sowohl oben drüber als unten

drunter perfekt angezogen zu sein, meldet sich ein erster bohrender

Stecher in der Leistengegend. Mit Bauchtanzartigen, aber möglichst unauffällig ausgeführten Körperbewegungen versucht man, diesen intimen Körperbereich aus der Irritationszone heraus zu drehen.

Vielleicht tritt man auch souverän in einen dunklen Hauseingang, faßt

diskret von oben in Rock- oder Hosenbund und versucht,

nachdem man sich unter der Strumpfhose vorgearbeitet hat, das Höschen durch Zerren am oberen Rand neu zu plazieren.

Gottseidank! Es  ist  gelungen. Leider haben sich nach etwa fünf Minuten Höschen und Körper wieder angenähert und die quälenden

Stechereien beginnen aufs neue. Upps – nun habe ich die Handschuhe fallen gelassen! Man bückt sich. Die hintere Hosenfront wird gestrafft. Jetzt fährt ein scharfer Schmerz, so, wie etwa von einem sehr feinen Messer, über die rechte Pobacke – oder  wahlweise, die linke. Oder über beide.

Schnell aufrichten, dann hört es auf.

Und immer so weiter. Es sticht, es bohrt, es beißt, es brennt, während sich beim Träger des Dessous die Gereiztheit eines wilden Stiers und übelste Laune einstellt.

Was ist das? Seit einigen Jahren. so scheint es, wird Unterwäsche

überwiegend mit Nylonfäden genäht. Das mag ja für den Hersteller

dieser Kleidungstücke vorteilhafter und billiger sein, für die Käuferin

und Trägerin ist es ein grosses Ärgernis. Es ist naheliegend, dass die Fäden,

die bei höheren Temperaturen schmelzbar sind, irgendwann mit

eben diesen Temperaturen in Berührung kommen, sei es, weil

die Trägerin nicht daran glauben mag ‚das alle Unterwäsche

bei 40 Grad porentief rein wird’, sei es, weil sie so vermessen

ist, ihre Unterwäsche bügeln zu wollen, weil ihr die verkrumpelten

Teile nach der Wäsche ein optischer Gräuel sind.

Und so wird bei 60 (oder gar bei frevelhaften 90 Grad) gewaschen

und Spitzen, Fältchen und Biesen werden gebügelt. Schwupps!

schnurrt der gemeine Nylonfaden zu einem glasharten, messerscharfen

Grat zusammen. Und fertig ist das Folterhöschen! Überall, am Beinausschnitt, auf der Hüfte, am Po und an anderen, unaussprechlichen Teilen der weiblichen Anatomie bohren, sägen und raspeln jetzt unermüdliche die härenen

Bestandteile. Zurück bleiben blutige Striemen.

Hinzufügend muß ich gestehen: Ich trug noch nie sehr teuer Höschen –

wie z.B. die von Victorias’ Secret! Werden diese überirdischen Dessous

eventuell noch mit emsiger Hand von kleinen Näherinnen (in Bangladesh) mit

ECHTEM FADEN genäht?

Doch nein, die BUNTE hat ja vor einiger Zeit Mr. Beckham erspäht, als er für seine Eheliebste bei Victorias Secret massenhaft Dessous erstand!

Und wenn man Mrs. Beckhams Gesichtsausdruck deuten mag:

Sie trägt, wie wir alle: DIE HÄRENEN HÖSCHEN!!!

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